| JUDO DER ZUKUNFT !!!
Die Liste der Vorschläge und gut gemeinter Konzepte,
wie man unseren Judosport medienmässig erfolgreicher
und für die Zuseher interessanter gestalten kann, ist
endlos. Doch bis zum jetzigen Zeitpunkt sind diese Versuche
in der Praxis alle gescheitert. Die Kunst besteht ja darin,
den sogenannten "Judolaien" unseren Sport schmackhaft
zu machen. Teilerfolge auf diesem Gebiet erzielte man bis
jetzt vor allem im "Showblock", also entweder bei
der Eröffnungszeremonie oder beim Programm vor den Finalkämpfen.
Vor allem die letzte EM in Maribor hatte diesbezüglich
punkten können. Doch eine gesamte Veranstaltung lang
das Publikum pausenlos "zu fesseln", die Veranstaltung
pausenlos interessant zu gestalten - diesen gordischen Knoten
konnte bis jetzt zumindestens noch niemand lösen - bis
jetzt - denn ab dem 19. Oktober 2002 ist auch dieser Bann
gebrochen. Verantwortlich dafür war der bayrische Judoklub
TSV Abensberg. Was der Abensberger Judochef Hr. Otto Kneitinger
mit seinem Team anlässlich dieser Veranstaltung zauberte,
war das Judo der Zukunft !
Die Veranstaltungen in den Jahren zuvor waren schon großartig,
doch heuer haben die Abensberger den "Vogel voll abgeschossen!"
Jedem Zuseher, der dieses Finale live miterleben durfte, war
klar: das und nur das ist das Judo der Zukunft! Natürlich
kostet das eine ganze Menge Geld und natürlich werden
dafür viele freiwillige Helfer, die unermüdlich
arbeiten, vonnöten sein - doch der Erfolg gibt ihnen
recht. Ein ausführlicher Bericht über dieses EC
- Finale kann man in unserer nächsten Verbandszeitung
"Ippon" nachlesen - ich werde versuchen, die Geschehnisse
relativ kurz zu fassen.
Eine kurze Vorstellung der 4 Mannschaften:
Kenamju Haarlem (NL):
Haarlem ist ein Vorort von Amsterdam. Dieser Klub ist eine
private Judoschule der Familie Van der Geest. Die Holländer
sind seit dem Jahre 1993 ohne Unterbrechung in der Finalrunde
dabei - 1998 wurden sie in Abensberg Europameister mit einem
Sieg über Paris St. Germain. Bei der heurigen Europameisterschaft
stand die Familie Van der Geest im Mittelpunkt, da sie an
einem Tag durch Elco van der Geest (-100kg) und Dennis van
der Geest (+100kg) gleich 2 Europameistertitel für die
Judofamilie Van der Geest erreichten; Erfolgstrainer dieser
Mannschaft und einer der weltbesten Trainer ist der Vater
der beiden - Europameister Kor van der Geest. Seine Schwäche
sind seine fast schon "berühmten Wutausbrüche",
was ihm schon so manche Sperren gekostet haben.
Yawara Newa St. Petersburg (RUS):
Der Präsident dieses erfolgreichen Klubs ist niemand
geringerer als der Russische Staatspräsident Vladimir
Putin, selbst Schwarzgurtträger und ehemaliger aktiver
Judoka. Sie sind der Titelverteidiger und haben die Judogroßmacht
im gesamten osteuropäischen Raum.
Petrom Liberty Oradea (ROM):
Daniel Lascau, der Weltmeister war aus politischen Gründen
1990 aus Rumänien geflohen, wurde vom deutschen Staat
gerne aufgenommen und bedankte sich bei Deutschland auf seine
Weise: mit dem Weltmeistertitel. Lascau stammt aus Oradea.
Zwei Jahre später traf er zufällig seinen Ex-Trainer,
Proff. Florian Velici, heute der "Meistermacher von Abensberg".
Das Team von Oradea war im heurigen Finale die "unbekannte
Größe."
TSV Abensberg (D):
Dieser Klub ist die "Judoperle Deutschlands". Die
größten Erfolge waren die Europacupsiege 1994,
1997, 1998 und 2000. Der Heimvorteil sprach natürlich
für die Deutschen und noch etwas hatten die Deutschen
im Talon: eine unglaubliche Fangemeinschaft, die jeden Gegner
erzittern ließ! Diese Fangemeinschaft fiel nicht nur
durch ihr Temperament auf, sondern vor allem auch durch ihr
faires Verhalten bei einer Niederlage ihrer Judoka und ihr
ungemeines Fachwissen - schon alleine deshalb ziehe ich "meinen
Hut" vor diesen symphatischen Fans!
Die erste Begegnung Yawara Newa St. Petersburg gegen Liberty
Oradea endete mit einem klaren 10:4 Erfolg für "Putins"
Mannschaft Yawara Newa. Die rumänische Mannschaft war
alles andere als "schwach", zumindestens was man
aus dem Endergebnis ableiten würde. Entscheidend bei
dieser Begegnung war ganz einfach die Tatsache, dass sich
die Rußen so stark wie noch nie präsentierten!
Spätestens ab diesem Zeitpunkt war allen klar, dass Newara
Newa St. Petersburg als Favorit zu bezeichnen sind.
Dann kam der zweite Kampf um den Einzug in das Finale: Kemanju
Haarlem gegen die Heimmannschaft von TSV Abensberg. Da war
natürlich von Beginn an "der Teufel los." Der
Kommentator heizte die Stimmung in der Halle so richtig an,
die einzelnen Kämpfer kamen zwischen zwei Flammensäulen
auf die Matte und wurden vom Publikum wie einst die Helden
aus der griechischen Sagenwelt empfangen - das war einfach
perfekt und ließ beim Publikum die "Gänsehäute"
reifen. Unsere Sportart hat sich schon lange diese Auftritte
verdient, denn sie sind auf Grund ihrer Athletik als "Zirkusartisten"
zu bezeichnen. Brot und Spiele - so hieß es im alten
Rom - auch dort wurden die Kämpfer mit allen Ehren empfangen,
dasselbe gilt auch für unsere Sportler. Natürlich
geht es bei uns Gott sei dank nicht mehr um Leben und Tod.
Doch die Leistungen unserer Judoka haben sich schon längst
einen großen Stellenwert im Sportgeschehen verdient!
Bei dieser Begegnung hätte der berühmte Krimiautor
Sir Alfred Hitchkok noch etwas lernen können, so spannend
war diese Begegnung. Die Holländer führten gleich
zu Beginn an mit 3:0 Siegen. Dann kam der starke Auftritt
von Alexander Budolin (-81kg Vizeweltmeister, Europameister,
3. Platz OS) - ein lupenreiner Ippon durch einen Sasae-Tsuri-Komi-Ashi
ließ die Abensberger wieder hoffen - nur mehr 3:1 für
die Holländer. In der Klasse bis 90 kg kam der Kanadier
Keith Morgan (5. Platz bei der WM 2001) bis auf 3:2 an die
Holländer heran. Der Pausenstand lautete 4:3 für
die Holländer. Noch war alles offen. In der zweiten Runde
hieß der Stand nach dem Kampf in der Klasse bis 73 kg
5:5 unentschieden. Entschieden wurde diese Begegnung erst
im letzten Kampf in der Klasse +100kg. Von der Papierform
her eigentlich eine klare Sache für die Holländer,
denn der holländische Europameister Denis van der Geest
kämpfte etwas überraschend gegen den Europameister
Daniel Gürschner (eigentlich bis 100kg). Das Jahr 2002
verlief für den Deutschen alles andere als erfolgreich,
und daher galt er als Außenseiter. Doch zwei wunderschöne
O-uchi-gari von Daniel Gürschner brachten sensationell
den 7:7, aber in de Unterbewertung 67:44. Erfolg für
den TSV Abensberg. Damit avancierte Daniel Gürschner
als "Held des Tages" und wurde so von seinen Anhängern
auch gefeiert - und ehrlich gesagt - auch die "Nichtdeutschen"
haben den symphatischen Daniel diesen Sieg vom Herzen vergönnt
- mit Ausnahme des Holländischen Trainers, der das Resultat
einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollte und laut gestikulierend
seinen Unmut kundtat.
Der Kampf um Platz drei wurde nicht ausgekämpft - also
fand gleich das Finale statt. Dieses Finale - meine lieben
Freunde aus Deutschland mögen mir diesen Ausdruck verzeihen
- war eigentlich eine klare Sache für die Rußen.
Schon allein der Halbzeitstand von 5:2 für das Team von
St. Petersburg ließ wohl alle Hoffnungen der, wie schon
erwähnt, fachkräftigen Fans am Boden zerstören.
Trotzdem herrschte nach wie vor Riesenstimmung in der Halle
und was mich besonders beeindruckte, war die Tatsache, dass
das Publikum sehr wohl die Siege der Russen mit Applaus bedachten
- das war Fairness pur! Der Endstand lautete: 5:8 für
Yawara Newa St. Petersburg. Doch gewonnen haben an diesem
Abend nicht nur das russische Team, sondern das gesamte Judoeuropa,
bravo Abensberg , bravo ihr Abensberger Fans - ihr habt gezeigt,
was Judo sein kann - ihr habt den Geist des Judosports gefördert
und habt durch Eure Fairness bestätigt:
JUDO IST MEHR ALS NUR EIN SPORT !!!
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